Caivallon

Mein Weg zu mir selbst
Gesund leben | Reise-Momente

Plane deine Flexibilität!

25. Mai 2017

Ich schaue mal um mich herum und entdecke einen Haufen Dinge, die erledigt werden wollen: Der allgemeine Haushalt schreit täglich nach mir.
Dann sind da die beiden Hunde, die ihren Anteil an unserer Aufmerksamkeit einfordern.
Dann sind da noch die privaten Termine, die wahrgenommen werden müssen. 
Dann ist da noch die Zeit, die mein Partner und ich uns für’s gemeinsame Essen nehmen wollen. 
Dann suche ich noch nach nicht vorhandene Lücken, um meinen Wunsch nach mehr Bewegung in den 24 Stunden eines Tages unterzubringen.
Dann kommen noch die Einflüsse von außen, die das ganze Kartenhaus ins Wanken bringen (z.B. familiäre Verpflichtungen).
Und irgendwann muss ich ja auch mal schlafen…  Puh! Das ist echt viel!

Irgendwie erinnert mich das einen Haufen verhedderter Wollfäden, aus dem ich einen bestimmten Faden haben möchte, aber nicht kriege, da er mit gefühlt hundert anderen Fäden vertüdelt ist.

Okay, alles auf mal kriege ich nicht entwirrt; das ist klar. Ich muss mir einen Faden herauspicken – am Besten einen, den ich möglichst einfach entwirren kann, auch wenn das nicht die gewünschte Farbe ist.  So sollte sich der anfängliche Aufwand in Grenzen halten und ich kann möglichst schnell einen Erfolg für mich verzeichnen.

Ich überlege kurz und entscheide mich dann für den Haushaltsfaden, da dieser die Dinge enthält, die mich scheinbar von den schönen Dingen des Lebens abhalten und ich hier am Ehesten einen Fortschritt erkennen kann.

Am Nachmittag schnappe ich mir meine Kalender-App, die mir auch eine Aufgabenliste mit Fälligkeitsfunktion anbietet. In diese Liste trage ich alle Haushaltstätigkeiten ein, die mir gerade so einfallen – vom Wäsche waschen über Blumen gießen bis hin zum Staubwischen. Dann schätze ich den ungefähren Zeitverbrauch und überlege mir, was ich davon z.B. wöchentlich und was monatlich machen muss. Entsprechend wird die Wiederholung eingetragen.

Und dann fange ich an, diesem Plan zu folgen.


Pläne machen und Vorsätze fassen bringt
viel gute Empfindungen mit sich.

(Friedrich Wilhelm Nietzsche)


Zugegeben: Es hört sich echt blöd an, den Haushalt wie die Aufgaben auf der Arbeit mittels einer ToDo-Liste zu organisieren, aber warum sollte das, was dort funktioniert, nicht auch daheim klappen?

Direkt nach dem Heimkommen fange ich mit meinem frisch geplanten Gewusel im Haus an. Stolz wie Oskar beobachte ich, wie ich eine Tätigkeit nach der anderen abhaken kann – ein tolles Gefühl! Und abends kann ich mich nach dem Essen auf dem Sofa lümmeln. Oder ich habe endlich Zeit, daheim etwas Sport zu machen (was ich natürlich gleich als regelmäßiges ToDo in meine jeweilige Tagesplanung mit aufnehme!).
Zufrieden stelle ich nach ein paar Tagen fest: Mit der Entspannung und den kleinen, täglichen Erfolgserlebnissen wächst auch mein Wohlgefühl und meine Laune wird besser! Und dank des nun möglichen Sports werden meine Schmerzen weniger und mein Gewicht geht auch weiter runter.

Und dann kommt der erste Stolperstein, der mein sorgfältig geplantes Kartenhaus zum Wanken bringt. Und dann kommt der nächste Stein, und dann noch einer und noch einer. Sie zwingen mich,  meine Planung immer wieder aufs Neue anzupassen und Tätigkeiten zu verschieben.

Nach und nach kippen meine sorgsam geplanten Tätigkeits-Dominosteine einer nach dem anderen um. Gleichzeitig kommen meine Unzufriedenheit und der bekannte Druck sowie das Gefühl, erfolglos gegen Windmühlen zu kämpfen, zu mir zurück.


Die Kunst, Pläne zu machen, besteht darin,
den Schwierigkeiten ihrer Ausführung zuvorzukommen. 

(Luc de Clapiers, Marquis de Vauvenargues )


Was war passiert?

Eigentlich was ganz Simples: Ich habe zu eng geplant und mir die Vorgabe gegeben, den Plan ohne Abweichungen durchzuführen.
Die Feierabende wurden bis zur letzten Minute durchgeplant. Die durch Routine freigewordene Zeit wurde gleich mit neuen Dingen, die ich gerne regelmäßig machen wollte (z.B. Sport), wieder gefüllt.
Hinzu kommt, dass ich der Meinung war, die aufgeschobenen Dinge gleich am nächsten Tag erfüllen zu müssen, damit sich nichts wieder anhäuft und ich letzten Endes wieder da lande, wo ich angefangen habe. Die Entlastung und Entspannung käme mit der Zeit, wenn dieser Plan Routine geworden wäre. Dem war aber nicht so!

Okay, zurück auf Anfang.
Ich schnappe mir wieder meine App und beginne, meine Planung zu überdenken. 
Zuerst  flogen sämtliche Sporttermine aus dem Kalender raus, die ja als Letztes dazu gekommen waren und mir aktuell den größten Stress bereiteten. Dafür wurden Arbeitszeiten und feststehende Termine (z.B. Geburtstagsfeiern, Veranstaltungen im Verein, Urlaube) eingetragen. Anschließend wurden die Haushaltstätigkeiten angepasst.

Neben all dieser Planung jedoch hat sich noch etwas Verändert: Meine persönliche Einstellung zu meinem Plan. Anfangs war ich der Meinung, dass alles so erledigt werden müsste, wie ich es geplant hätte – ohne Wenn und Aber! Die Entlastung im Alltag würde dann mit der Routine automatisch kommen.
Da lag ich aber völlig falsch!

Die eigentliche Entlastung kam aber erst, als ich meine Einstellung zu meiner ToDo-Liste veränderte: Ich sah sie nicht mehr als knallharte Vorgabe, die es strikt einzuhalten galt, sondern eher als Orientierungshilfe im Alltag, um mich nicht mehr zu verzetteln.

Nun weiß ich, wann ich was wann erledigen sollte, aber es steckt kein selbstgemachter Zwang mehr dahinter, wodurch ich alles deutlich gelassener sehe. Einige Dinge kann ich spontan vorziehen, austauschen oder nach hinten verschieben – wie es halt passt. Kommt was dazwischen, habe ich keinen Stress mehr, mich anzupassen.

Und noch einen positiven Nebeneffekt habe ich für mich entdeckt: Wenn mich jemand fragt, ob ich dann oder wann Zeit hätte, kann ich klipp und klar ja oder nein sagen, da ich einen Überblick habe. Gerade für Letzteres ist eine gute Unterstützung für mich, denn mit dem Nein-Sagen habe ich es nicht so 😉


Der Schlüssel bei Ihrer Planung liegt nicht darin,
Prioritäten für das zu setzen,
was auf Ihrem Terminplan steht,
sondern Termine für Ihre Prioritäten festzusetzen.
(Unbekannt)


Im Laufe der Wochen nach dem Neuanfang mit meiner persönlichen ToDo-Liste habe ich gelernt, wie ich meine eigene Flexibilität, meine persönlichen Prioritäten und meine Auszeiten für mich planen kann. Am Wichtigsten ist es, dabei konsequent folgende Grundsätze einzuhalten:

  • Es gibt gewisse, feststehende Termine (wo durchaus auch andere Personen von betroffen sind – z.B. Familientreffen, Arzttermine, Vereinsveranstaltungen), die nicht verändert werden können. An diesen Tagen werden auch keine weiteren Verpflichtungen angenommen, die mich in Zeitnot bringen könnten. Punkt.
  • Für zeitintensive Projekte (z.B. einen Raum tapezieren) wird dann auch durchaus mal ein ganzes Wochenende reserviert. Verschieben kommt nur in Frage, wenn das Wetter (bei Arbeiten im Freien) nicht mitspielt oder wirklich etwas extrem Wichtiges anliegt. Punkt.
  • Gemeinsame Ausflüge werden auch entsprechend geplant und im Kalender festgehalten. Auch hier gilt: Verschieben gibt’s nur, wenn das Wetter dafür nicht mitspielt oder wirklich etwas extrem Wichtiges anliegt. Punkt.
  • Da herum werden die Haushalts-ToDos sortiert, die zur täglichen Routine gehören, wobei sich mit der Zeit ein gut und grundsätzlich immer passender („optimal“ zu sagen wäre übertrieben 😉 ) Ablauf herauskristallisiert hat: Während der Woche wird direkt nach der Arbeit in Haus oder Garten gewirbelt, dann Abendessen gekocht und abschließend gibt’s die Hunderunde. Danach ist Feierabend, den wir für Daddeln am Rechner, Serien-gucken, Lesen (oder wonach uns gerade ist) nutzen. Am Wochenende liegen dann Themen an, die etwas mehr Zeit benötigen oder viele Pausen mit sich bringen (z.B. Wäsche waschen).

 

Das ist ja eine Menge Planerei!

Ja, am Anfang ist es schon recht viel Aufwand, alles in den Kalender einzutragen, aber das ist schon bald Routine – spätestens dann, wenn man (wie ich) die Sicherheit zu schätzen lernt, mit der man Termine direkt bei Anfrage verbindlich zu- oder absagen kann. 
Auch habe ich so die Chance, tolle „Können wir ja mal bei Gelegenheit nach einem Termin gucken“-Ideen gleich dingfest zu machen, anstatt auf die berühmte lange Bank zu schieben und schließlich in Vergessenheit geraten zu lassen.
Zusätzlich verhindere ich durch meine Grundsätze, dass ich wie früher auf drei Hochzeiten gleichzeitig tanze. Stattdessen schaffe ich mir die Möglichkeit, mich auf eine Sache zu konzentrieren und diese auch so umzusetzen, wie ICH es mir vorstelle – ohne schlechtes Gewissen oder irgendwelchem Zeitdruck wegen anschließender Termine.
Und ich habe die Möglichkeit, meine eigenen Wünsche, Ausflüge, Projekte, Termine – halt was MIR wichtig ist – entsprechend zu priorisieren und durchzusetzen.
Wenn jemand fragt, ob ich dann oder dann Zeit habe, der Tag aber z.B. zum Entspannen für uns reserviert ist, schaffe ich es leichter Nein zu sagen als vorher – einfach, weil ich es SEHE, dass der Tag bereits verplant ist (das ist für mich einfach verbindlicher als die wage Ausflugsidee irgendwo im Hinterkopf).

 

Und wo steckt da die Flexibilität?

Die liegt durch die Gestaltung in meiner eigenen Hand!

Ich plane bei den Terminen gezielt Freiräume mit ein, die ich als Puffer für kurzfristige Notfälle (z.B. mein Hund muss zum Tierarzt) oder etwaige Terminverschiebungen nutzen kann. Falls da nichts derartiges kommt, freue ich mich einfach über einen freien Abend ohne jegliche Verpflichtungen 🙂

Da ich jede Woche eine andere Arbeitszeit habe, schaue ich täglich, wie viel Zeit ich vor oder nach der Arbeit zur Verfügung habe. Anschließend schaue ich in meiner ToDo-Liste, was ich unbedingt erledigen muss (z.B. rechtzeitig das Frischfutter für die Hunde vorbereiten) und was ich vielleicht noch 1-2 Tage verschieben kann (z.B. staubwischen). So verliere ich keinen Überblick über die wichtigsten ToDos im Haushalt und schaffe es in der Regel auch, mich abends auf dem Sofa zufrieden zu entspannen!  

Uff, das war ein langer, ausführlicher Text, aber ich denke, dass ich so am Besten veranschaulichen kann, wie ich meinen Weg raus aus dem Stress gefunden habe.
Hast du deinen Weg raus schon gefunden? Erzähl doch mal – wie sieht er aus?

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